Berlin Science Week 2020

Manch einem, der an Wissenschaftler denkt, erscheint vor dem geistigen  Auge womöglich ein alter, kauziger Mann im Elfenbeinturm. Beschäftigt mit Formeln und Experimenten ist er des alltäglichen Lebens abtrünnig geworden. Viel gemein mit den normalen Menschen hat er nicht mehr. Diese Vorstellung von Wissenschaft und Forschenden hat wahrscheinlich ihre Gründe, wird aber unserer Realität nicht mehr gerecht. Auf der Berlin Science Week sprechen jedes Jahr Vertreter aus den unterschiedlichsten Disziplinen über ihre Forschungsfelder und bringen auch komplexe Erkenntnisse leicht verständlich auf den Punkt. Wir waren dieses Jahr auch dabei und berichten in unserem Beitrag, was wir gelernt haben und warum sich ein Besuch auf jeden Fall lohnt!

Wissenschaftskommunikation – Braucht man das?

50 shades of science communication

Was haben die Sendung “Forschung aktuell” vom Deutschlandfunk, der Youtubekanal “maiLab” und der Podcast “Methodisch inkorrekt!” gemeinsam? Die Antwort lautet:
Sie alle betreiben Wissenschaftskommunikation. Ob eine, in Berichte geteilte, Radiosendung mit starrer Struktur und hohem Anspruch an Objektivität, ein schnell geschnittenes Video mit persönlicher Ansprache und polarisierenden Themen oder ein vertrautes Gespräch zwischen Forschenden mit Witz und Augenzwinkern – Wissenschaftskommunikation gibt es in vielen Facetten. Eines jedoch haben alle diese Formate gemeinsam: Sie informieren eine breite Öffentlichkeit über meist aktuelle Themen auf Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse. Dennoch gibt es verschiedene Motivationen Wissenschaftskommunikation zu betreiben. Manche möchten schlicht informieren, andere aufklären und wieder andere möchten Themen bewusst mehr Aufmerksamkeit zukommen lassen, indem sie sie für eine breite Masse begreiflich machen.

Raus aus dem Elfenbeinturm

Der Begriff Wissenschaftskommunikation tritt in verschiedenen Formen auf und wird oft unterschiedlich abgegrenzt. Begriffe wie Wissenschaftsjournalismus oder Wissenschafts-PR erweitern oder ergänzen je nach Blickwinkel die Thematik. Das übergeordnete Ziel bleibt jedoch dasselbe. Es geht darum Debatten, sowohl in der Politik, als auch in der Gesellschaft auf der Grundlage valider Erkenntnisse zu führen. Ein Anspruch, der insbesondere in Zeiten unsicherer oder häufig veränderter Informationslage von Bedeutung ist. Die Wissenschaftskommunikation als Ganzes trägt folglich dazu bei, Missverständnisse abzubauen und Diskussionen nicht auf Grundlage post-faktischer Meinungen oder Gefühle führen zu müssen. Im Grundsatzpapier des Bundesministeriums für Bildung und Forschung zur Wissenschaftskommunikation ist die Disziplin als wichtiges Forschungsfeld beschrieben, dass zukünftig noch mehr gefördert werden soll. Die Bedeutung der Wissenschaftskommunikation ist dadurch auch politisch unterstrichen. Auch wenn sie diese abstrakte Beschreibung sehr schwer und undurchdringlich anhört, ist das Ergebnis oft das genaue Gegenteil: leicht verständlich, interessant und mitreißend. Und was könnte aufregender sein, als sich eine ganze Messe zum Thema Wissenschaftskommunikation nach Hause zu holen?

Berlin Science Week: Wissenschaft vom Sofa aus

Unter dem Motto “The science breakthroughs of the year” fanden dieses Jahr vom 01.11. bis zum 10.11.2020 die Berlin Science Week und die Falling Walls Conference unter besonderen Bedingungen statt. „Wenn die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Welt nicht nach Berlin kommen können, dann kommt die Berlin Science Week dieses Jahr eben zu ihnen – und zu den Berlinerinnen und Berlinern nach Hause.“, meinte Michael Müller, Regierender Bürgermeister von Berlin und Senator für Wissenschaft und Forschung. Eine Woche im Zeichen der Wissenschaftskommunikation – klingt gut, dachten wir uns. Aber was hat es eigentlich auf sich mit der Berlin Science Week und der Falling Walls Conference? Die wichtigsten Fakten haben wir für dich zusammengetragen.

Wer? Was? Warum?

Im Zentrum aller Veranstaltungen steht die Falling Walls Foundation, eine gemeinnützige GmbH, die es sich seit ihrer Gründung 2010 zur Aufgabe gemacht hat, Durchbrüche und neue Erkenntnisse in Wissenschaft und Gesellschaft für ein breites Publikum zugänglich und verständlich zu machen. Dabei ist der Name der Organisation angelehnt an den Fall der Berliner Mauer 1989 und die Frage welche Mauern in der Wissenschaft als nächstes fallen. Auf der diesjährigen, hybriden Veranstaltung sind zwei Konferenzen miteinander verschmolzen. Zum einen berichtet die Falling Walls Conference über die spannendsten Durchbrüche in der Wissenschaft in diesem Jahr und lässt die bedeutendsten von ihnen von einer Fachjury zum Gewinner küren. Zum anderen lädt die 2016 gegründete Berlin Science Week zu einem Dialog zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit ein, indem sie mehr als 400 Referentinnen und Referenten für Präsentationen und Diskussionen über ihre Fachgebiete gewinnen konnte. In der gemeinsamen Dachveranstaltung, dem

World Science Summit haben sich damit die Falling Walls Conference und die Berlin Science Week zusammengetan. Neu in diesem Jahr ist aber das hybride, zu großen Teilen digitale, Format des Kongresses. Die Einschränkungen der Pandemie machten den Verzicht auf große Live-Veranstaltungen unumgänglich. Die Verlagerung ins Digitale bot neben den offensichtlichen Einschränkungen aber auch Chancen. Nie zuvor war es für jedem Teilnehmer so einfach möglich, bequem von zu Hause aus an den kostenlosen Veranstaltungen teilzunehmen. 

Die diesjährigen Highlights Berlin Science Week 2020

Aufgrund der Corona Krise musste die Berlin Science Week zwar den digitalen Weg gehen, doch dadurch wurde auch der interdisziplinäre Dialog und die Vielfalt der internationalen Wissenschafts-Community gefördert. So konnte die Veranstaltung erstmals weltweit stattfinden und es wirkten Institutionen aus über 80 Länder mit darunter die Universitäten Oxford und Harvard bis hin zu Hochschulen aus Asien, Australien und Afrika. Die Berlin Science Week hat es geschafft mit Hilfe der digitalen Plattform Wissenschaft, Forschung und Innovation mehr Sichtbarkeit zu geben. Mit über 200 Veranstaltungen mit 500 Referenten war es das größte Programmangebot seit der ersten Ausgabe dieser Veranstaltung. Auch die Falling Walls Conference hat dieses Jahr einen digitalen Wandel vollzogen. So konnten in den vergangenen Jahren nur 20 Wissenschaftler ihre Forschung vorstellen, ermöglichte das digitale Format, dass mehr Wissenschaftler als Zuschauer die Gelegenheit hatten ihre Erkenntnisse zu präsentieren. Aus über 9000 Nominierungen aus 111 Ländern präsentierten insgesamt 600 Finalisten ihre Forschungsergebnisse.

Neben den Chancen, die die hybriden Formate der diesjährigen Veranstaltung boten, gab es auch inhaltlich Highlights. Uns haben es vor allem zwei Veranstaltungen angetan. Trotz aller räumlichen Einschränkungen haben die Veranstalter entschlossen einen Science Slam zu organisieren. Zurecht, wie wir finden! Information trifft auf Entertainment, sozusagen Infotainment. Vom Science Slam wurden wir auf jeden Fall gut unterhalten! Falls du die Berlin Science Week verpasst haben solltest, dir die Veranstaltung aber dennoch gern anschauen möchtest, ist das allerdings kein Problem. Das Video kannst du hier in voller Länge auf Youtube ansehen. Die zweite Veranstaltung, die wir hervorheben möchten, hat es uns sogar noch mehr angetan: die Aktion “Book a Scientist”! Wir sind derart begeistert von diesem Format, dass wir darüber einen separaten Blogbeitrag in der nächsten Woche veröffentlichen werden. Deshalb wollen wir noch nicht zu viel vorwegnehmen, aber soviel sei gesagt: Im Rahmen dieser Veranstaltung ist es möglich eine/n WissenschaftlerIn für ein kurzes, persönliches Gespräch zu buchen und alle Fragen loszuwerden, die man so hat. Das Angebot haben auch wir wahrgenommen! Mehr dazu nächste Woche. Bleib gespannt! 🙂

Messen und Kongresse im Jahr 2020

Schon im September haben wir mit dieser Überschrift die digitalen Formate diesjähriger Kongresse und Messen in einem Blogbeitrag untersucht. Dabei haben wir die gängigsten Formen der Interaktion aufgelistet und erklärt, wie sie umgesetzt wurden. Wir möchten an dieser Stelle die Berlin Science Week lobend als positives Beispiel in die Liste der Veranstaltungen aufnehmen, die sich von der Pandemie nicht haben bremsen lassen. Besonders erwähnenswert ist dabei, dass die Veranstalter darauf verzichteten für alle Übertragungen ein einheitliches Tool festzulegen. Dennoch liefen die meisten Veranstaltungen, die wir besucht haben reibungslos ab. Ein weiterer Pluspunkt ist, dass trotz der verschiedenen Plattformen, die genutzt wurden, die Zugänge zu den Livestreams einheitlich organisiert waren. Das spricht dafür, dass eine gute Organisation und entsprechende Vorbereitungen mit der präferierten Plattform den parallelen Einsatz mehrerer Tools ermöglichen können. Die daraus resultierende Flexibilität der einzelnen Veranstaltungen ist mutmaßlich auch damit zu begründen, dass die Berlin Science Week dezentral organisiert wurde. Insgesamt halten wir die Entscheidung der Falling Walls Foundation die Livestreams individuell zu organisieren für gewagt, aber überwiegend gelungen.

Unsere Erfahrungen mit der Berlin Science Week

Wissenschaftskommunikation auf der großen Bühne! Die Berlin Science Week und die Falling Walls Conference haben die Herausforderungen von 2020 genutzt und auf digitalem Wege ihre jährliche Konferenz abgehalten. Die Berlin Science Week ist ein gutes Beispiel wie sich die Digitalisierung positiv auf Veranstaltungen auswirken kann. Durch die digitale Plattform, welche durch die Berlin Science Week geschaffen wurde, ermöglichte den Zuschauern weltweit den Zugang zu den Veranstaltungen ganz bequem von zuhause aus. Damit konnten sie nicht nur die Veranstaltung trotz Pandemie ermöglichen, sondern sogar ihre Reichweite vergrößern. Wenngleich der Wegfall der physischen Interaktion einen großen Einschnitt in das Erlebnis des Kongresses bedeutet, gelang es dem World Science Summit eine lebendige Atmosphäre zu kreieren, nicht zuletzt durch die individuelle Ausgestaltung der einzelnen Präsentationen und Diskussionen.

Was war dein Highlight? Lass es uns wissen! (:
Kira & Ben

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