Mehrgenerationenhäuser – Co-Living mit jedem Alter

Seit mehreren Jahren fördert auch der Bund Projekte, die sich mit zukunftsorientierten Wohnprojekten auseinandersetzen – dem Konzept der Mehrgenerationenhäuser. Dabei ist diese Art des Wohnens im engeren Sinne keine wirkliche “Wohnform der Zukunft”, sondern handelt sich historisch betrachtet um ein eher traditionelles Ideal, das aber auch heute noch in vielen Kulturen der Welt gelebt wird. In Italien oder Vietnam, zum Beispiel, kommt es nicht selten vor, dass mehrere Generationen einer Familie unter einem Dach oder zumindest sehr nahe beieinander wohnen. Das gemeinsame Leben in Hinblick auf Haushaltspflichten, Pflege oder Kindererziehung gehört zum normalen Alltag der Bewohner aller Altersstufen.

Was wird unter ein Mehrgenerationenhaus verstanden?

Unter dem Begriff “Mehrgenerationenhaus” werden verschiedene Konzepte verstanden. Zum einen handelt es sich dabei um Begegnungsstätten für Jung und Alt, die von der Bundesregierung gefördert werden. Zum anderen beschreibt es ein Co-Living-Konzept, bei dem Menschen verschiedenster Altersklassen und ggf. auch Herkunft gemeinsam unter einem Dach leben. Dabei kann es sich um Familienmitglieder und nicht verwandte Personen handeln sodass z.B. Kinder, Eltern, Großeltern, Freunde und Bekannte zusammen leben. In diesem Blogbeitrag wollen wir uns den Co-Living-Ansatz etwas näher anschauen. Mehrgenerationenhäuser bieten den Bewohnern die Möglichkeit sich zu entfalten, neues zu lernen, andere Ansichten kennen zu lernen, andere zu unterstützen und oftmals auch um Einsamkeit zu überwinden. Somit unterstützen sich die Bewohner untereinander bei der Bewältigung ihrer individuellen Herausforderungen und schaffen ein Ort des generationsübergreifenden “Miteinander” und der Solidarität.

Bildquelle: deezen.com

Wie sieht ein solches Mehrgenerationenhaus aus?

Wie ein Mehrgenerationenhaus letztlich aussieht ist nicht nur eine Frage des Budgets sondern auch eine Frage der Vorstellung des gemeinsamen Zusammenlebens. 

Abhängig davon wie Nahe sich die einzelne Parteien sein wollen oder wie eigenständig ihre Leben sein sollen, danach richtet sich die Ausgestaltung. Ein Mehrgenerationenhaus kann eine einzige Wohneinheit (z.B. Einfamilienhaus) sein oder sich über mehrere voneinander getrennte Wohneinheiten erstrecken (z.B. Doppelhaushälften, Wohnungen in einem Mehrparteienhaus etc.). Je nach Wohnform können bestimmte Räume wie Wohnzimmer, Küche oder andere Räumlichkeiten als Begegnungsort für alle dienen und gemeinschaftlich genutzt werden. Für ein harmonisches Beisammenleben sollten vorab mögliche Vor- und Nachteile sowie Wünsche aller Personen betrachtet werden.

Welche Gründe sprechen für ein Mehrgenerationenhaus?

Der Soziale Gedanke steht bei den Bewohnern hierbei im Vordergrund. Das gemeinsame Leben lässt keinen zurück, die “Großeltern” sind inmitten des geselligen Trubels drumherum nie einsam und können durch den Umgang mit jüngeren Menschen geistig und körperlich fit bleiben. Kinder haben Kontakt zu den Großeltern und arbeitstätige Eltern können gleichzeitig durch die Kinderbetreuung entlastet werden. Haushaltsaufgaben werden untereinander aufgeteilt und Besorgungen werden gemeinsam geplant und erledigt. Insbesondere Senioren oder pflegebedürftige Personen können hier von einer Gemeinschaft und Unterstützung im Alltag profitieren.

Darüber hinaus bestehen auch finanzielle Vorteile. Die Kostenersparnisse durch das gemeinsame Wohnen zeigen sich zum Beispiel darin, dass Mietkosten geringer ausfallen, wenn eine Familie zusammen zieht, aber auch andere Nebenkosten wie Telefon, Fernsehen und Internet können gemeinsam getragen werden.

Unabhängig davon, ob sich nun eine Familie oder eine Gruppe von Personen sich für ein solches Konzept interessieren, ist es in der Regel “einfacher” ein solches Vorhaben zu finanzieren. Da mehr beteiligte Parteien auch meist höheres Eigenkapital mitbringen, kann auch ein günstigerer Zinssatz möglich sein.  

Ein Mehrgenerationenhaus ist somit nicht nur als Geldanlage einer Immobilien zu betrachten, hier wird auch ein gemeinsamer und bleibender Wert geschaffen.

Was braucht es für ein solches Wohnkonzept?

Die Voraussetzung um erfolgreich in einem Mehrgenerationenhaus zu leben richten sich zum einen an die Bewohner selbst und zum anderen an die Wohnumgebung. Ein generationsübergreifendes gemeinsames Leben setzt dabei von allen Beteiligten eine gewisse Offenheit sowie die Bereitschaft einander zu unterstützen, voraus. Zum anderen muss die Wohnumgebung möglichst barrierefrei sein. Möglichst keine Stufen, Fahrstühle, bodentiefe Duschen, niedrige Waschbecken, breite Türen und smarte Technik ermöglicht den Älteren sich selbständig in der Wohnung bzw. im Haus zu bewegen und erhöht den Wohnkomfort aller Bewohner. Des Weiteren sollten sich alle Beteiligten einig sein, wer welche Kosten trägt und allgemeine Fragen der Finanzierung klären sowie Grundregeln für das Zusammenleben festlegen.

Welche Herausforderungen begegnet das Leben in einem Mehrgenerationenhaus?

Für Studium oder Beruf sind viele Menschen weit von Ihren Liebsten wie Eltern, Großeltern oder Geschwister entfernt, desto mehr freut man sich jedoch alle wieder zusehen. Längere generationsübergreifende Zusammentreffen können dabei aber auch Herausforderungen mit sich bringen. In Mehrgenerationenhäusern ist das nicht anders. Es treffen verschiedene Menschen mit unter umständen weit auseinandergehenden Ansichten und Einstellungen aufeinander, die zu Unstimmigkeiten führen können. Themen wie z.B. Haushaltspflichten, gemeinschaftliche Anschaffungen, Kindererziehung und die allgemeine Finanzierung können Reibungen verursachen und somit den Hausfrieden auf die Probe stellen. Wie in Familien gilt es auch in Mehrgenerationenhäusern Lösungen zu finden, mit solchen Unstimmigkeiten umzugehen, oder sich vor Einzug über grundsätzliche Vorstellungen austauschen und deren Kompatibilität zu prüfen.

Warum gewinnen Mehrgenerationenhäuser in Deutschland zunehmend an Bedeutung?

2016 kam eine Erhebung des Statistischen Bundesamts zu dem Ergebnis, dass in 209.000 Haushalten (0,5% aller deutschen Haushalte) drei oder mehr Generationen zusammen leben. Nachdem das Konzept “Mehrgenerationenhaus” in Deutschland in den letzten Jahrzehnten immer seltener wurde, gewinnt es derzeit wieder zunehmend an Aufmerksamkeit. Besonders mit zunehmendem Alter hat die Wohnumgebung entscheidenden Einfluss auf das gesundheitliche Wohlbefinden eines jeden von uns. Durch den demografischen Wandel und veränderter Anforderungen an das Wohnen selbst, erfahren Wohnkonzepte wie das ‘Mehrgenerationenhaus’ in der Öffentlichkeit und (regionaler) Politik zunehmend an Bedeutung. Besonders gemeinschaftliche und vor allem generationsübergreifende Wohnprojekte gewinnen, aufgrund von abnehmenden sozialen Unterstützungsleistungen im Alter, an Bedeutung. Des Weiteren sorgen gestiegene Kosten für Pflege- und Betreuungseinrichtungen sowie Immobilienpreise, dass durch generationsübergreifendes Zusammenleben Kosten und Ausgaben reduziert werden können.

Fazit

Das Mehrgenerationenhaus macht ein traditionelles Ideal zu einem zukunftsweisenden Co-Living-Konzept. Das generationsübergreifende Wohnen und das dadurch entstehende Netzwerk bietet den Bewohnern zahlreiche Vorteile (Kinderbetreuung, Einsamkeit überwinden, Kosten senken, Pflege der Großeltern, etc.). Dabei gilt es allerdings vorher die Form des Zusammenlebens sowie einige Regeln festzulegen, damit aufkommende Herausforderungen wie Unstimmigkeiten gemeinsam bewältigt werden können. Um die Vorteile aus diesem generationsübergreifenden Wohnen verstärkt zu nutzen gibt es mittlerweile zahlreiche, von der Bundesregierung unterstützte, Mehrgenerationenhaus-Projekte. Diese Begegnungsstätten von Jung und Alt finden nicht nur international Aufmerksamkeit sondern bekommen auch bei uns einen eigenen Blogbeitrag.

Wie sieht das bei dir aus? Lebst du in einem Mehrgenerationenhaus? Teile uns deine Erfahrungen gerne in einem Kommentar mit.

Ruf doch mal deine Großeltern wieder an,
Jan & Thanh

Jan Weber
Thanh Pham

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