Digitalisierung im Gesundheitswesen

In vielen Bereichen hat die Digitalisierung Einzug in unser Leben erhalten. Wir kommunizieren über Messenger, treffen uns mit Freunden digital und streamen unsere Lieblingsserie. Auch im Bereich Gesundheit unterstützt uns die Digitalisierung. Es gibt unzählige Apps, die uns helfen sollen ein gesünderes Leben zu führen, indem wir meditieren, 10.000 Schritte am Tag gehen oder ein Homeworkout machen. Aber die Digitalisierung im Gesundheitswesen ist mehr als nur ein paar Sport-Apps. Von der künstlichen Intelligenz bis hin zur Robotik sind die Bereiche sehr vielfältig. Aber was bedeutet eigentlich Digitalisierung?

Was bedeutet Digitalisierung?

Der Begriff wird derzeit in vielen Bereichen verwendet. Dabei beschreibt er zwei Entwicklungen auf der technologischen Ebene. Zum einem die Speicherung und Umsetzung von Informationen in maschinenlesbare Daten und zum anderen die Verarbeitung, Vermittlung und Kombination dieser Daten, sodass z.B. ein Bild umgewandelt und für den Menschen sichtbar wird. Allgemein zusammengefasst geht es bei der Digitalisierung um die Umwandlung von analogen Dokumenten ins Digitale, sodass diese digital genutzt und gespeichert werden können. Hieraus ergeben sich viele Chancen aber auch Herausforderungen, welche die Digitalisierung mit sich bringt.

Die Herausforderungen des Gesundheitssystems

Die digitale Technologie kann dabei helfen die Herausforderungen, die im Gesundheitssystem bestehen, besser zu lösen. Hierbei lassen sich laut PwC Studie vier branchenübergreifende Themen festhalten: demografischer Wandel, Individualisierung, Urbanisierung und Digitalisierung.

Demografischer Wandel

Durch den demografischen Wandel gibt es immer mehr ältere Menschen, die medizinisch versorgt werden müssen. So ist heute laut Statistischem Bundesamt bereits jede zweite Person in Deutschland über 45 und jede fünfte Person älter als 65 Jahre. Des Weiteren erhöhen sich dadurch die Kosten für das Gesundheitssystem. Durch die Zunahme an altersbezogenen Erkrankungen folgt eine Überlastung der Ärzte und des Pflegepersonals. Konkret könnte dies bedeuten, dass der Arzt weniger Zeit für Beratungsgespräche hat, wir länger auf einen Termin warten müssen und es einen zunehmenden Fachkräftemangel gibt.

Individualisierung

Auch die Individualisierung spielt eine immer wichtigere Rolle. So gibt es immer mehr Wege sich selbst zu verwirklichen. Der Patient möchte somit mehr Verantwortung für die eigene Gesundheit übernehmen. Vitalwerte kann er z.B. durch einen Fitness-Tracker selbst überprüfen. Dadurch werden die Arztpraxen entlastet, da der Patient diese weniger aufsucht. Allerdings erwartet er dann bei einem Arzttermin, dass er eine qualitativ hochwertige Behandlung erhält. Eine weitere Chance ist, dass der Patient offener für die digitalen Angebote ist. Allerdings können diese den Arztbesuch und eine ärztliche Diagnose nicht ersetzen.

Urbanisierung

Durch die zunehmende Attraktivität in der Stadt zu leben entsteht die sogenannte Landflucht. Dadurch wird die Versorgung von Menschen in strukturschwachen ländlichen Regionen immer schwieriger. Mithilfe von modernen Kommunikationswegen kann die räumliche Distanz überwunden werden und für eine Versorgung in den ländlichen Regionen gesorgt werden.

Digitalisierung

Auch die Digitalisierung im Gesundheitssystem bringt viele Chancen aber auch Herausforderungen mit sich. In der Medizin lassen sich durch große Datensätze und deren Analyse neue und personalisierte Behandlungsmöglichkeiten entwickeln. Außerdem sind neue Behandlungsmethoden durch neue Technologie, wie z.B. eine roboterassistierte Chirurgie, möglich.  Auf der anderen Seite stehen neue die Herausforderungen: So besteht die Angst, dass die Daten missbraucht werden, es technische Fehler und falsche Diagnosen gibt. Auch organisatorisch können sich durch die Digitalisierung Chancen ergeben. Durch sektorübergreifende Kommunikationswege, wie z.B. durch die elektronische Patientenakte und durch neue Kommunikationswege zwischen Arzt und Patient z.B. in Form einer Videosprechstunde, kann sich die Versorgung der Patienten verbessern. Allerdings fehlt es oft an den Kommunikationstools und es werden häufig Insellösungen verwendet, sodass die unterschiedlichen Systeme nicht kompatibel sind. Auch der Patient kann aktiv von der Digitalisierung profitieren, indem es eine Vielzahl von Möglichkeiten gibt selbst seinen Gesundheitsstatus zu überprüfen.  Allerdings werden oft nicht seriöse Internetquellen genutzt und der Patient nimmt das Thema Gesundheit vermehrt in die eigene Hand.

Nachdem die Herausforderungen des Gesundheitssystem allgemein beleuchtet wurden, schauen wir uns nun an, wie Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern abschneidet.

Wie steht Deutschland im Vergleich dar?

Das Deutschland im Bereich Digitalisierung nicht Spitzenreiter ist, ist in aller Munde. Die internationale Vergleichsstudie #SmartHealthSystems der Bertelsmann Stiftung von 2018 bestätigt dies. Deutschland landet dabei auf den vorletzten Rang. Die Studie untersuchte den Digitalisierungsfortschritt der Gesundheitswesen in 16 Länder und in Deutschland. Dabei ist sie in zwei Teilen aufgebaut. Im ersten Teil wurde ein Digitalisierungs-Index entwickelt, der aus 150 Kriterien besteht, an dessen Erarbeitung Experten aus den untersuchten Ländern mitgewirkt haben. Hierbei lag der Fokus auf den Strategien, den Entwicklungsstufen der Technologien und der tatsächlichen Nutzung der Daten in den untersuchten Ländern.

Estland, Kanada, Dänemark, Israel und Spanien belegen dabei die vordersten Plätze und vereinen alle drei Erfolgsfaktoren. Sie besitzen eine effektive Strategie, eine politische Führung und haben eine Institution, welche für die Koordination des Digitalisierungsprozesses zuständig ist. Außerdem gehen die Länder strategisch vor und führen Schritt für Schritt neue Systeme wie z.B. das elektronische Rezept ein. So werden die Gesundheitsdaten des Patienten digital gespeichert und die Patienten können Untersuchungsergebnisse, Impfdaten oder Medikationspläne online anschauen.

Im zweiten Teil der Studie wurden fünf Gesundheitssysteme von Dänemark, Frankreich, Israel, Niederlande und der Schweiz näher analysiert, um Erfolgsfaktoren für das deutsche Gesundheitssystem abzuleiten. Hieraus wurden fünf Handlungsempfehlungen geschlussfolgert.  

Zunächst muss laut der Studie die Politik entschlossener handeln und den digitalen Wandel im Gesundheitssystem aktiv mitgestalten. Hierfür ist ein nationales Kompetenzzentrum nötig, welches die Koordination der Prozesse übernimmt, Institutionen, Experten und Nutzer einbezieht und Standards für digitale Anwendungen festlegt. Des Weiteren sollte die Digitalisierung Schritt für Schritt angegangen werden und einzelne Bereiche gezielt in pragmatischen Schritten digitalisiert werden. Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Akzeptanz in der Gesellschaft. Durch den Dialog mit Bürgern, Ärzten und anderen Gesundheitseinrichtungen kann die Politik die Akzeptanz erhöhen und die Bedürfnisse der einzelnen Gruppen erkennen.

Was sagt die Bevölkerung zur Digitalisierung im Gesundheitssystem?

Aber was sagt die Bevölkerung in Deutschland zu dem Thema? Laut der Future Health Studie von PwC aus dem Jahr 2018 beurteilen 61% der Befragten den derzeitigen Einsatz von neuen Technologien im deutschen Gesundheitswesen als sehr gut oder gut. Die Befragten erhoffen sich von neuen Technologien, dass bessere Diagnosen und Behandlungen möglich sind. Allerdings sehen viele auch die Datensicherheit gefährdet. Auch für das Arzt-Patienten-Gespräch wünschen sich 44% der Befragten den Einsatz von digitalen Technologien. Allerdings wird diese das persönliche Gespräch nicht ersetzen. Gerade bei schweren Erkrankungen sehen mehr als 90% das persönliche Gespräch zwischen Arzt und Patient als wichtig an.

Von der Losen-Blatt-Sammlung zur digitalen Patientenakte

Die #SmartHealthSystems Studie zeigt, dass Deutschland im Ländervergleich noch einiges aufholen muss. Die elektronische Patientenakte wäre ein wichtiger Schritt. Diese wird ab Januar diesen Jahres in drei Schritten eingeführt. Zunächst bieten die Krankenkassen eine App an, mit denen die Versicherten einen Zugang zur elektronischen Patientenakte erhalten. Gleichzeitig findet eine Test- und Einführungsphase in ausgewählte Arztpraxen statt. In der zweiten Phase, welche im zweiten Quartal geplant ist, werden dann alle Ärzte mit dem System ausgestattet und ab dem 01.07.2021 sollen dann alle Ärzte die Möglichkeit geschaffen haben die elektronische Patientenakte zu benutzen. Für Krankenhäuser ist dies bis zum 01.01.2022 geplant.

Auch das Rezept wird digitalisiert. Ab dem Januar 2022 wird es das E-Rezept geben. So muss der Patient zukünftig für die Abholung eines Rezepts nicht mehr die Arztpraxis aufsuchen. Das E-Rezept kann in Online-Apotheken und in der Apotheke vor Ort eingelöst werden. Zusätzlich soll das E-Rezept noch weitere digitale Anwendungen mit sich bringen, wie z.B. eine Medikationserinnerung und ein Medikationsplan mit eingebauten Wechselwirkungscheck.

Eine weitere Neuerung, die es bereits seit letztem Jahr Oktober gibt, ist die sogenannte „App auf Rezept“. Ärzte können nun Gesundheits-Apps seinen Patienten verschreiben. Die Kosten dafür zahlt die gesetzliche Krankenkasse. Die Apps werden vorab vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) auf Funktionstauglichkeit, Sicherheit, Qualität, Datenschutz und Sicherheit geprüft. Zusätzlich müssen die Hersteller in einer Testphase von einem Jahr nachweisen, dass seine App die Versorgung der Patienten verbessert. Derzeit gibt es im Verzeichnis für digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) zehn Apps für unterschiedliche Anwendungsbereiche wie z.B. Multiple Sklerose, Schlafstörungen oder Migräne. 

Von Künstliche Intelligenz bis Robotik – Welche Technologien werden uns in der Zukunft beschäftigen?

Der Anfang ist bereits gemacht. Allerdings gibt es noch viele Bereiche und Technologien, die uns auch noch in der Zukunft beschäftigen werden.

Künstliche Intelligenz & Big Data

Durch künstliche Intelligenz (KI) kann die Versorgung von Patienten verbessert werden und schnelle Diagnosen gestellt werden. Besonders weit in der Entwicklung ist hierbei die KI bei der Auswertung von medizinischen Bildaufnahmen. Des Weiteren gibt es schon heute verschiedene Anwendungsfelder. Mithilfe der KI könnten in der Zukunft mehrere tausende Krankengeschichten analysiert werden und ein Computerprogramm kann damit individuell Krankheits- oder Therapieverläufe vorhersagen. So könnte beispielsweise aus der Analyse der Genetik oder der Bilddaten die Aggressivität eines Tumors berechnet werden und ob eine Strahlen- oder Chemotherapie sinnvoll wäre. Des Weiteren optimiert die künstliche Intelligenz die Abläufe in Operationssälen. Bei Eingriffen unter einem Mikroskop können Informationen per Sprach- oder Gestensteuerung angefordert werden, welche dann im Okular des Mikroskops erscheinen.

Telemedizin

Durch die Telemedizin ist es möglich durch digitale Kommunikationstechnologien, trotz einer räumlichen Trennung, Diagnosen zu stellen oder medizinische Notfalldienste anzubieten. Dabei wird die Telemedizin nicht nur zwischen Arzt und Patient, sondern auch für die Kommunikation zwischen Medizinern eingesetzt. Durch die Telemedizin könnte zukünftig der Herausforderung der Landflucht entgegenwirkt und die medizinische Versorgung im ländlichen Raum gewährleistet werden.

Robotik

Derzeit werden robotergestützte Verfahren vor allem als Assistenzsysteme genutzt. Dabei ist die Kernkompetenz des Roboters komplexe Informationen in präzise Bewegungen umzusetzen. Die in der Medizin eingesetzten Robotern sind operative und informationsgesteuerte Instrumente, wodurch der Arzt mit einer höheren Effizienz und einer gesteigerten Präzision handeln kann. Zukünftig könnten diese auch im Operationssaal und in der Pflege eingesetzt werden.

Was sind die Chancen und wie ist der Blick in die Glaskugel?

Die ersten Schritte im Bereich Digitalisierung im Gesundheitswesen sind gemacht. Viele Länder wie z.B. Israel sind uns weit voraus. Israel nutzt bereits jetzt künstliche Intelligenz für die Früherkennung von Krebserkrankungen. Auch in den Ländern wie Dänemark oder Estland werden wichtige Dokumente bereits in der elektronischen Patientenakte gespeichert und Rezepte digital ausgestellt. In Deutschland wird dies erst dieses und nächstes Jahr eingeführt.

Dennoch hoffe ich, dass die Herausforderungen, die derzeit im Gesundheitswesen bestehen mit Hilfe der Digitalisierung verbessert werden können. Es wird noch ein weiter Weg sein und ob in Deutschland Roboter für die Pflege eingesetzt werden bleibt fraglich. Dennoch bietet die Digitalisierung neben den Risiken auch große Chancen, die genutzt werden können.

Ich bin gespannt, welche zukünftigen Entwicklungen es geben wird.

Bleib gesund 😊

Deine Kira

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