Vernetzung am seidenen Faden – Internet in der Smart WG

Ben ohne Internet

Man muss nicht in der Smart WG wohnen, um zu wissen, was es bedeutet wenn viele Leute gleichzeitig den selben Internetanschluss verwenden. Verbindungsabbrüche, Streamen in niedriger Qualität, oder fehlgeschlagene Up- und Downloads – die Liste an Ärgernissen ist lang. Doch nicht nur Laptops und Smartphones spielen eine Rolle, wenn es um die Breitbandnutzung geht. In Zeiten von Smart Home kann fast jeder Gegenstand mit dem Router und dadurch mit dem Internet kommunizieren. Auch wir haben unsere Erfahrungen damit gemacht, was es heißt, wenn Alexa eben nicht mehr das Licht ausschaltet. Aber fangen wir ganz am Anfang an.

Und täglich grüßt der Verbindungsabbruch

Spätestens seit der Corona Pandemie sind auch wir in der Smart WG alle regelmäßig im Home Office. Das funktioniert sehr gut, wäre da nicht das Problem mit dem Internet. Zunächst aber zu unserer Ausgangslage. Die Smart WG liegt sehr zentral in der Mitte Berlins. Laut dem Breitbandatlas des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) liegt für unseren Gebäudekomplex die höchstmögliche Breitbandverfügbarkeit vor. Rein infrastrukturell ist das optimal. An Bandbreite allein kann es also wohl nicht liegen. Liegt es aber womöglich am Anbieter und unserem Vertrag? Aktuell nutzen wir den Anbieter O2, der laut eigenen Angaben an unserem Standort einen DSL-Anschluss von bis zu 250 Mbit/s technisch realisieren kann. Vertraglich reizen wir diese maximale Geschwindigkeit aus. Seit einiger Zeit nutzen wir die größte Ausbaustufe des Anbieters. Dennoch gibt es Probleme im Alltag.

Wir sind nicht allein

An einem normalen Wochentag arbeiten wir zu dritt gleichzeitig und nutzen dabei das WLAN. Das bedeutet, dass mindestens sechs Geräte (drei Laptops und drei Smartphones) die Internetverbindung zu dieser Zeit stark beanspruchen. Im Hintergrund sind allerdings noch einige weitere Geräte mit dem Router per LAN oder WLAN verbunden und ständig auf Abruf. Dazu zählen die Sprachassistenten, die Philips Hue Bridge zur Steuerung der Lampen, die Steuereinheiten für die Heizkörper (tado) und das Türschloss (nuki), sowie ein smarter Bewegungsmelder, um nur einige zu nennen. Durchschnittlich sind mit unserem Router 30 Geräte verbunden – und das dauerhaft. Dass es bei dieser Fülle an Geräten auch mal zu Verbindungsproblemen kommen kann ist wenig überraschend. Im Arbeitsalltag sind derartige Störungen und Einschränkungen der Bandbreite allerdings eher die Regel als die Ausnahme.

WLAN für alle

Wir arbeiten in der Regel in verschiedenen Räumen und sind unterschiedlich weit vom Router entfernt. Demnach können wir uns nicht direkt per LAN mit dem Router verbinden und sind auf ein stabiles WLAN-Signal angewiesen. Da die Räume in der Smart WG zum Teil weit auseinander liegen, nutzen wir zwei WLAN-Repeater (Signalverstärker), um das Signal möglichst gleichmäßig in der gesamten Wohnung zu verteilen. Dabei haben wir die Geräte in der Smart WG strikt auf zwei Frequenzbänder aufgeteilt, um Störungen vorzubeugen. Während alle smarten Geräte, die sich in die Smart Home – Kategorie einordnen lassen, auf dem 2,4-GHz-Frequenzband gelagert sind, verbinden wir unsere Arbeitsgeräte in der Regel über das 5-GHz-Frequenzband mit dem Router. Trotz dieser Vorkehrungen treten immer wieder Probleme mit der Verbindung auf. So kann ein Online-Meeting zur Tortur werden, wenn der Videoanruf gar nicht oder nur in geringster Qualität gelingt. Immer wieder müssen wir in solchen Situationen zum Smartphone greifen und die mobilen Daten und damit das Mobilfunknetz für solche Anrufe bemühen.

Der Zusammenbruch

Als wir vor einigen Tagen über Möglichkeiten berieten, wie wir das Verbindungsproblem lösen könnten, dachten wir zunächst daran das Signal des 5GHz-Frequenzbands zu verstärken. Dazu wollten wir einen WLAN-Repeater nutzen. Dieser sollte, statt bisher die 2,4 GHz-Frequenz, die 5 GHz-Frequenz verstärken. Während wir in den Einstellungen unserer FritzBox versuchten die Repeater neu zu konfigurieren, verwandelten wir durch einen falschen Klick unseren Router selbst in einen Repeater. Daraufhin brach das gesamte Netz in der Smart WG zusammen. Dieser Fehler sollte eigentlich relativ leicht rückgängig zu machen sein, entpuppte sich aber als stundenlange Odys­see. Halb 2 in der Nacht, nach über 4 Stunden gemeinsamen Rätselns und Probierens konnten wir den Ursprungszustand schließlich wieder herstellen. Dieses Ereignis war uns eine Lehre und uns hat gezeigt, wie anstrengend es sein kann den Router wieder zum laufen zu bringen, ohne ihn zurückzusetzen und damit zwangsläufig alle smarten Geräte neu verbinden zu müssen. Um einen weiteren Totalausfall zu verhindern, haben wir bisher darauf verzichtet die Einstellungen des Routers noch einmal zu ändern, was nötig wäre, würden wir den Repeater neu einrichten wollen.

Wer suchet, der findet

Nach weiterem Grübeln und Suchen, kamen uns schließlich zwei weitere Ideen, wie wir ohne weitere Investitionen die Situation verbessern könnten. Unsere erste Idee stellt nochmals den WLAN-Repeater in den Mittelpunkt. Anstatt uns wie bisher aber per WLAN mit dem Signalverstärker zu verbinden, haben wir einen Laptop mit einem LAN-Kabel direkt mit dem Repeater verbunden und untersucht, ob diese Veränderung etwas bewirkt. Unser zweiter Ansatz beruht auf einem Glücksfund. Aus den Zeiten früherer Smart WG Bewohner fanden wir ein DLAN-System mit zwei DLAN-Adaptern. Direct LAN (kurz DLAN) beschreibt eine Übertragungsform, bei der die Daten über das wohnungseigene Stromnetz übertragen werden.

Beide Ansätze haben wir untersucht und mit der normalen WLAN-Nutzung verglichen. Dazu haben wir an einem durchschnittlichen Wochentag 16 Stunden lang zu jeder vollen Stunde mehrere Messungen durchgeführt. Auf den drei verschiedenen Plattformen Ookla.com, Chip.de und Computerbild.de haben wir zu jedem Messzeitpunkt nacheinander einen Speedtest für alle drei Varianten, also WLAN, DLAN und LAN zum Repeater durchgeführt. Die Ergebnisse unserer Tests besprechen wir im nächsten Absatz.

Mit LAN-Kabel am Repeater

Zur Einrichtung dieser Lösung brauchten wir nicht viel, lediglich eine Steckdose in der Nähe des Laptops und ein ausreichend langes LAN-Kabel. Da der Repeater bereits mit unserem Router verbunden war, konnten wir sogar auf die erstmalige Konfiguration verzichten. Die Verbindung zum Rechner war schnell hergestellt und das Netzwerksymbol am unteren Bildschirmrand, gab uns zu verstehen, dass es die LAN-Verbindung erkannt und erfolgreich hergestellt hatte. Funktioniert es mit Kabel am Repeater nun aber tatsächlich besser, als ohne? Unsere Tests deuten in eine eindeutige Richtung.

Man kann einen Trend bei der Up- und Downloadgeschwindigkeit erkennen. In mindestens 60% der Fälle sind die Up- und Downloadgeschwindigkeiten der LAN-Verbindung höher, als die der WLAN-Verbindung. Dieses Ergebnis trat bei allen drei Plattformen auf, teilweise sogar noch deutlicher. Die Messungen der Latenz lassen hingegen keinen eindeutigen Trend vermuten. Die Schwankungen zwischen den Messungen sind sehr groß und unterscheiden sich teilweise deutlich von Test zu Test.

DLAN mit Devolo

Das Einrichten der DLAN-Verbindung ist ähnlich simpel, wie das Anschließen des Repeaters. Das DLAN-Netzwerk benötigt mindestens zwei Adapter. Ein Adapter muss per LAN-Kabel mit dem Router verbunden sein, der zweite Adapter per LAN-Kabel mit dem Rechner. Beide Adapter müssen selbstverständlich in einer Steckdose stecken und mit dem heimischen Stromnetz verbunden sein. Sobald alle Stecker und Kabel verbunden sind, steht die Verbindung. Unsere Geräte stammen vom deutschen Hersteller Devolo, welcher sich auf die Produktion von Netzwerktechnik spezialisiert hat. Der Test der DLAN-Verbindung stellte uns allerdings vor eine größere Herausforderung. Wie sich herausstellen sollte, führen die Geschwindigkeitstests von Ookla.com und Chip.de zu einem Verbindungsabbruch – und mehr noch – zum Abbruch aller Internetverbindungen in der Wohnung. Für einen kurzen Zeitraum war also nicht nur die Internetverbindung zum Laptop unterbrochen, mit dem wir testeten, sondern auch zu allen WLAN-Geräten, die wir überprüfen konnten. Diese Unterbrechungen sind bedenklich. Schneidet DLAN mit Devolo inhaltlich trotzdem gut ab?

Die kurze Antwort lautet: Ja.
Die lange Antwort: Es kommt darauf an. Gleich zu Beginn zeigt sich der offensichtlichste Vorteil der Verbindung über das Stromnetz – die Latenz, oder auch der Ping. Die Rückmeldezeit von 19 ms ist sehr gering und vor allem extrem konstant. All unsere Messungen schwanken nur in einem Bereich von 3 Millisekunden. Die Konstanz spiegelt sich auch in der Up- und Downloadgeschwindigkeit wieder, auch wenn die Übertragungsraten nicht zwangsläufig besser sind, als die der anderen Verbindungsarten. Die Uploadgeschwindigkeit ist bei allen Messungen mindestens 5 Mbit/s höher, als die von WLAN oder LAN an Repeater. Zum Teil fällt die Differenz sogar noch um einiges deutlicher aus. Die Downloadgeschwindigkeit hingegen ist in fast allen Messungen deutlich geringer, als die der anderen Varianten. Ein großes Plus ist aber auch hier die Verlässlichkeit der Leitung. Zwar bewegen sich die Werte lediglich zwischen 10 und 15 Mbit/s, sie blieben aber auch auf diesem Niveau, als die Datenrate bei den anderen Übertragungsmethoden einbrach.

Alles in allem scheint die Nutzung von DLAN den anderen Methoden überlegen zu sein, wären da nicht die plötzlichen Verbindungsabbrüche, die immer wieder auftreten. Diese sind besonders ärgerlich, weil es meistens ein paar Minuten dauert, bis die Verbindung wieder aufgebaut wird.

Fazit

Probleme mit der Internetverbindung gibt es hier und da immer wieder, auch in der Smart WG. Und wenn Google Assistant oder Amazon Echo gerade mal wieder keine Verbindung zum Router aufbauen können, ist es im Zweifel nicht verkehrt sich doch noch daran zu erinnern, wo die Lichtschalter für die einzelnen Räume angebracht sind. Wir jedenfalls haben in den letzten Tagen einige Schalter suchen müssen. Wichtiger ist es uns aber für stabile Internet-Verhältnisse zu sorgen, wenn wir im Home-Office arbeiten. Dafür haben wir verschiedene Möglichkeiten getestet. Leider können wir nicht ohne Weiteres einen Sieger küren, der in allen Disziplinen der klassischen WLAN-Verbindung überlegen ist und gleichzeitig dauerhaft stabile Ergebnisse liefert. Allerdings haben wir deutliche Verbesserungspotentiale aufgedeckt. In Zukunft werden wir versuchen, mit einer Mischform aus DLAN und WLAN den Arbeitsalltag zu bestreiten. Die DLAN-Verbindung soll für konstante Verbindungsgeschwindigkeiten sorgen und das WLAN soll die auftretenden Ausfälle kompensieren. Vielleicht trauen wir uns zu einer Zeit, zu der wir einen Tag getrost auf das Internet verzichten können auch die Repeater noch einmal neu zu konfigurieren. Ob das aber tatsächlich notwendig ist und wie unsere Hybridlösung langfristig funktioniert, erfahrt ihr in einem späteren Follow-up.

Bis dahin, bleibt (uns) verbunden,

Ben

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