Die Smart WG und ihr CO2 – Fußabdruck

Aktueller und bedeutender ist kaum ein anderes Thema in unserer heutigen Zeit: Nachhaltigkeit. Der Klimawandel und alle mit ihm verbundenen Bereiche geraten zusehends in das öffentliche Interesse. Ob Ernährung, Mobilität, Handel oder Digitalisierung, in fast jedem Bereich des Lebens sind die Ausläufer des Nachhaltigkeitsgedankens zu erkennen. Schon längst sind die großen politisch-gesellschaftlichen Themen nicht mehr nur Sache der Politik. Es entsteht ein geschärftes Bewusstsein bei vielen Menschen für die Auswirkungen des eigenen Handelns auf die Umwelt. Wir können und wollen uns dem nicht entziehen und schauen in unserem Blogbeitrag in dieser Woche mal ganz selbstkritisch auf eine andere Seite unserer smarten Geräte, nämlich ihren Energieverbrauch.

Die Bedeutung ökologischer Themen

Die Frage nach dem “richtigen” Verhalten wird nicht erst seit dem Aufkommen des Corona-Virus heiß diskutiert. Schon vorher gab es rege Unterhaltungen darüber, wie man sein Verhalten verbessern oder schlichtweg ändern könnte. Allerdings nicht (nur) in hitzigen Debatten im Bundestag, sondern in ganz Deutschland. Streng genommen eigentlich in der ganzen Welt. Allerdings ging es in diesen Diskussionen nicht um Ausgangssperren, Maskenpflichten oder Impfstoffe, sondern um nichts Geringeres als die Zukunft unseres Planeten. Die Rede ist logischerweise vom Klimawandel und allen mit ihm verbundenen Themen.

Wir sind alle betroffen

Ob Essgewohnheiten, die Art unserer Fortbewegung, die nächste Urlaubsreise oder die Herstellung unserer Kleidung, ökologische Themen werden an vielen Fronten verhandelt. Dieses Phänomen spiegelt sich in aktuellen Umfragen wieder. Laut einer Erhebung von VuMA Touchpoints (Arbeitsgemeinschaft Verbrauchs- und Medienanalyse), nahm in den letzten Jahren das allgemeine Interesse am Thema Umweltschutz kontinuierlich zu. Ein wichtiger Bestandteil dieses Bereichs ist unser Umgang mit dem Treibhauseffekt, oder anders ausgedrückt: die Auseinandersetzung mit unserem CO2 Fußabdruck. Mit fast allem, was wir tun, hinterlassen wir Spuren in Form von klimaaktiven Treibhausgasen. Ein beträchtlicher Teil davon entfällt auf unser Verhalten in den eigenen vier Wänden.

Grün grüner Ökostrom

Den Stecker in die Steckdose und das Handy wird geladen – ein völlig normaler Vorgang. Unzählige Male, jeden Tag, überall auf der Welt. Wer denkt da schon an die Umwelt? Dabei lohnt es sich eben, dort einmal genauer hinzuschauen. Worüber wir uns in Deutschland als Teil der Grundversorgung freuen können, ist alles andere als einfach gegeben. Elektrische Energie muss erzeugt, generiert oder – streng nach dem Energieerhaltungssatz – umgewandelt werden. Doch auch wenn die Debatten über das Verschwinden der Kohlekraftwerke dieser Tage öffentlichkeitswirksam geführt werden, wer denkt schon darüber nach, wenn er sein Smartphone lädt? Die Antwort lautet: einige! und stetig mehr. Laut einer weiteren Untersuchung von VuMA Touchpoints nimmt die Bereitschaft für die Nutzung von Ökostrom kontinuierlich zu. Gleichzeitig steigt auch die Anzahl derer, die bereits Ökostrom beziehen.

https://strom-report.de/strom/#strommix-2019-deutschland
Was wir ausstoßen

Laut Angaben der Bundesregierung sind im Jahr 2019 rund 805 Millionen Tonnen Treibhausgase ausgestoßen worden. Ein erheblicher Teil davon entfällt auf die Stromerzeugung. Nach aktuellen Angaben vom Umweltbundesamt und “Agora Energiewende” sind das 223 Mio. Tonnen. Das entspricht 27,7%. Mehr als ein Viertel aller Treibhausgase in Deutschland sind also der Stromerzeugung zuzuordnen. Grund genug sich einmal näher mit dem eigenen Stromverbrauch zu befassen.

Stromverbrauch und CO2 Ausstoß der Smart WG

Es ist spannend sich Berichte und Grafiken dazu anzuschauen, welche Tätigkeiten in unserem Alltag wie viele CO2 Emissionen verursachen und sich und sein Verhalten mit dem vermeintlich optimalen Verhalten ins Verhältnis zu setzen. Wir schließen uns da nicht aus. Jeder von uns hat schon einmal überlegt welche Gewohnheit, er/sie ablegen oder welche klimafreundliche Alternative er/sie nutzen könnte. Darum soll es aber in diesem Teil nicht gehen. Was wir ebenfalls hier nicht betrachten wollen, sind die Stromkosten. Natürlich spielt der Strompreis grundsätzlich eine große Rolle, gerade wenn wir von der Bedeutung des Ökostroms sprechen. In unserer Betrachtung wollen wir aber bewusst nicht auf die wirtschaftlichen Kosten schauen, dafür aber unseren Blick auf die Umwelt-Kosten richten.

Und täglich grüßt der Stromverbrauch

Uns hat interessiert, was es eigentlich kostet in der Smart WG zu wohnen – und zwar in der CO2 Rechnung. Deshalb haben wir all jene Geräte betrachtet, die die Smart WG smart machen. Von der Philips Hue Bridge zur Steuerung der Lampen über unseren smarten Bodenstaubsauger bis zu den Sprachassistenten Alexa und Google Assistant. Alle vernetzten Geräte, die ständig mit dem Stromnetz verbunden sind und auch auf Standby noch Energie brauchen, haben wir mit einbezogen. Explizit ausgeschlossen sind alle Geräte, die auch in “normalen” Wohnungen ununterbrochen laufen und keine besondere Verbindung mit der Smart WG haben, wie etwa der Kühlschrank.

Der Emissionsfaktor

Um die Frage zu beantworten, wie viel CO2 durch den Gebrauch der vernetzten Geräte anfällt, müssen wir uns zunächst darüber Gedanken machen, wie viele Treibhausgase grundsätzlich durch unseren Strom verursacht werden. Das ist in jedem Haushalt unterschiedlich und hängt maßgeblich davon ab, welchen Stromanbieter man nutzt und ob man Ökostrom bezieht oder nicht. Für die Smart WG existiert ein ganz normaler Stromtarif, ohne besondere Fokus auf Ökostrom. Daher gehen wir für unsere Beispielrechnung vom deutschen Durchschnitt aus. Im Jahr 2018 beinhaltete der deutsche Strommix 40% Ökostrom und pro Kilowattstunde wurden durchschnittlich 474 Gramm Kohlenstoffdioxid freigesetzt. Zum Folgejahr hat sich das Verhältnis noch einmal deutlich verschoben. Im Jahr 2019 stieg der Anteil erneuerbarer Energien deutlich und lag bei 46%. Insgesamt war der Energieverbrauch 2019 außerdem etwas geringer, als im Jahr davor. Daher ergibt sich für letztes Jahr auch ein neuer Emissionsfaktor von 434,7 Gramm CO2 pro Kilowattstunde Strom. Auf der Grundlage dieses Wertes haben wir unsere CO2 Ausstoß berechnet.

CO2 in der Smart WG

Zu vielen Geräten konnten wir Angaben vom Hersteller bezüglich des Energieverbrauchs finden. Die übrigen haben wir durch sinnvolle Näherungswerte eingeschätzt. Ausreißer, wie unseren smarten Kaffeeautomaten, haben wir nicht mit in die Berechnung einbezogen, da leider nicht immer klar ersichtlich war, wie groß der Energieverbrauch im Ruhezustand ist. In unsere Rechnung mit einbezogen, haben wir folgende Geräte:

  • Philips Hue Bridge
  • Ikea Bridge
  • Tado Bridge
  • Bodenstaubsauger
  • Alexa
  • Google Home Pod
  • Burgwächter bridge
  • Sonos Lautsprecher (3 mal)

Für alle Geräte gemeinsam ergibt sich ein Wert von 71,7 Watt pro Stunde. Da alle Geräte ununterbrochen mit Strom versorgt werden, lässt sich dieser Wert leicht für längere Zeiträume hochrechnen. Pro Tag verbrauchen alle Geräte gemeinsam etwa 1,721 kWh. Das ergibt pro Monat (mit durchschnittlich 30 Tagen) 51,63 kWh. Da wir nun die konkreten Emissionen berechnen wollen, müssen wir den zuvor bestimmten Emissionsfaktor aus dem Jahr 2019 heran ziehen. Dabei ergibt sich ein Wert von 22,44 kg CO2 für den 30-tägigen Dauerbetrieb unserer smarten Geräte.
22,44 kg CO2. Das ist in etwa die gleiche Menge Treibhausgase, die bei einer Autofahrt mit einem mittelalten PkW über 100 Kilometer anfallen. Es entspricht außerdem – um noch ein Beispiel zu nennen – dem CO2 Äquivalent von 17 Rindersteaks aus deutscher Herstellung à 200 Gramm. Die Deutlichkeit des Ergebnisses hat uns überrascht. Zwar haben wir mit einigen Emissionen gerechnet, die genaue Untersuchung hat uns jedoch deutlich gemacht, was es eigentlich bedeutet, wenn ein Gerät 24/7 mit dem Stromnetz verbunden ist, nur um immer auf Abruf zu funktionieren.

Strom einfach selber erzeugen?

Die Ergebnisse sind nun da, aber was machen wir mit dem Wissen über den eigenen Stromverbrauch? ‘Strom sparen!’ schießt uns instinktiv in den Kopf. Und ja, der suffizienz-basierte Ansatz ist in vielen Belangen mit Sicherheit ein sinnvoller. Jedem Kind wird beigebracht Wasser zu sparen, es nicht unnütz laufen zu lassen, beispielsweise beim Zähneputzen. Viel seltener wird Kindern dagegen beigebracht Strom zu sparen. Wieso eigentlich? Was macht die eine Ressource weniger wichtig, als die andere? Abgesehen vielleicht vom Preis. Es ist ratsam unsere sparsame Haltung auf die Stromnutzung zu übertragen. Schließlich kostet auch elektrische Energie Geld und wie wir gesehen haben, auch eine Menge CO2.

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Hier kommt die Sonne

Was kann aber abseits vom Verzicht und umsichtigen Verhalten noch getan werden, um unseren stetig steigenden Energiehunger zu stillen? Eine mögliche Antwort darauf könnte einfacher ausfallen, als man vermutet. Warum nicht einfach eine Solaranlage aufstellen? Das ist heute einfacher als je zuvor und längst nicht mehr nur für Leute geeignet, die ein eigenes Wohnhaus besitzen. Ein- oder zweiteilige Solarmodule lassen sich schon ab 300€ erwerben und ohne weitere Fachkenntnis selbst auf dem Balkon installieren. Die aktuelle rechtliche Lager erlaubt es jedem Bürger in gewissen Grenzen, Strom ins heimische Netz zu speisen und somit Energiekosten zu sparen. Ganz nebenbei schmälert das natürlich auch den eigenen CO2 Fußabdruck. Sogenannte “Plug and Play” Lösungen existieren in den verschiedensten Ausführungen und sind nach ein wenig bürokratischem Aufwand (Der Betrieb solcher Kleinstanlagen muss dem jeweiligen Stromanbieter gemeldet werden.) direkt betriebsbereit. Das macht Solaranlagen insbesondere für Menschen in Städten attraktiv. Die Möglichkeit auch mit kleinen Mitteln langfristig etwas für den eigenen Geldbeutel und die Umwelt zu tun, ist ein neuer Anreiz, um im Bereich der Umweltthematik aktiv zu werden.

Mehr als eine leichte Brise

Was die Stromerzeugung mit Windenergie angeht, scheiden sich die Geister. Trotz vieler Angebote von kleinen Windrädern und ähnlichen Konstruktionen, ist es sehr umstritten, wie gut diese Heimanlagen geeignet sind, um in sinnvollen Maß Strom zu produzieren. Grund dafür sind die speziellen Eigenschaften des Windes. Optimale Bedingungen herrschen in der Regel nur, wenn die Windkraftanlage möglichst frei steht und einem kontinuierlichen linearen Luftstrom ausgesetzt ist. Insbesondere für Balkone gibt es daher viele Stimmen, die von der Nutzung abraten.

Fazit

Die Bedeutung des Themas Nachhaltigkeit wurde uns beim erarbeiten dieses Beitrags sehr deutlich. Insbesondere die Erkenntnis darüber, was auch vermeintlich kleine und unscheinbare Geräte für einen Einfluss auf die Umwelt haben, hat uns noch einmal klar gemacht, wie wichtig es ist ein Bewusstsein für die ökologischen Auswirkungen unseres Handelns zu entwickeln. Wir sollten uns immer wieder fragen, was wir wirklich brauchen und was womöglich pure Energieverschwendung ist. Außerdem haben wir gelernt, wie viel allein durch die Auswahl des Stromanbieters bewirkt werden kann. Aktuelle Entwicklungen deuten daraufhin, dass die Kosten für Ökostrom weiter sinken werden. Denkt also darüber nach, wenn ihr euren nächsten Stromanbieter auswählt. Und denkt nicht zuletzt auch daran: Jedes mal, wenn ihr etwas in die Steckdose steckt, produziert ihr CO2. Also geht verantwortungsvoll damit um, denn das Beste was wir alle tun können, ist bewusst zu handeln.


PS:
Die Smart WG geht ab heute für zwei Wochen in die Sommerpause! Das bedeutet, dass in den nächsten zwei Wochen keine neuen Blogbeiträge auf unserer Seite erscheinen werden. Danach geht es aber einfach weiter wie gewohnt! 🙂
Wir wünschen euch einen tollen Sommer, ggf. einen schönen Urlaub und schon viel Vorfreude auf die nächsten Beiträge von uns.
Lasst es euch gut gehen!


Ben

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