Smart durch den Sommer – aber wie?

Ben vor Lüfter

Die Füße im Eiswasser, die Kleidung auf ein Minimum reduziert und der Ventilator auf der höchsten Stufe: Wenn in Deutschland das Thermometer auf über 30°C klettert, haben vielerorts die Menschen in den Innenstädten nichts mehr zu lachen. Besonders in Dachgeschosswohnungen heizt sich dann die Luft besonders auf. Die SmartWG in Berlin zählt zu einer dieser Wohnungen. In unserem aktuellen Blogbeitrag schauen wir deshalb mal auf die Gründe für den jährlichen Hitzeschock und erklären euch, wie ihr auch abseits der üblichen Tricks smart durch den Sommer kommt. Denn heiße Tage werfen gegenwärtig viel mehr Fragen auf, als das Thema einer effektiven Schlafzimmer-Kühlung.

Plötzlich Sommer, und jetzt?

Wer jemals in einer Dachgeschosswohnung gewohnt hat, wird ein Lied davon singen können. Jedes Jahr im Sommer, wenn sich die Temperaturen tagsüber jenseits der 30°C bewegen und es auch nachts nicht mehr kälter als 20°C wird, heizen sich die Obergeschosse bis ins Unerträgliche auf. Man spricht bei diesen Außentemperaturen auch von Tropennächten. In dieser Woche konnten wir wieder tagelang Zeuge dieses Phänomens werden. Zwar hängt der Grad der Erwärmung maßgeblich vom Standort der Wohnung, der Umgebung und Dämmung ab, aber wie zahlreich die Menschen sind, die jedes Jahr unter der Hitze leiden, lässt sich schon an den Suchergebnissen erkennen, wenn man in einer Suchmaschine Schlagworte wie “Hitze Wohnung” oder “Hitze Schlafen” eingibt. Zahlreiche Ratgeber geben Tipps, wie es sich im Sommer in der eigenen Wohnung aushalten lässt. Wirklich revolutionär oder neu ist davon aber meistens nichts. Die Kernaussagen lassen in wenigen Worten zusammenfassen:

  • genügend trinken, besser lauwarme als eiskalte Getränke
  • lauwarm duschen, anstatt kalt
  • nachts lüften
  • tagsüber den Raum verdunkeln, Fenster schließen
  • möglichst kein schweres Essen, Süßigkeiten oder Alkohol zu sich nehmen
  • von Verdunstungskälte profitieren, mittels Wasserspray

Einigen werden diese Maßnahmen womöglich tatsächlich helfen, wenn sie sie nicht eh schon umsetzen. Im Sommer 2020 sehen wir uns aber noch einer ganz anderen Herausforderung gegenübergestellt. Viele Menschen in Deutschland gehen in diesen Tagen nicht wie gewohnt auf Arbeit und kehren erst am Nachmittag oder Abend zurück, sondern verbringen der Pandemie geschuldet den gesamten Tag im Homeoffice. Das bringt einige Hürden mit sich, die einige der oben genannten Maßnahmen obsolet machen.

Stay hydrated!

Besonders wichtig ist und bleibt es Wasser zu trinken, insbesondere, wenn man an einem heißen Ort arbeitet. Flüssigkeitsmangel ist aufgrund des stärkeren Schwitzens kein seltenes Phänomen. Die Folgen sind Konzentrationsschwierigkeiten und Kopfschmerzen. Üblicherweise verliert der menschliche Körper bis 2,5 Liter Flüssigkeit am Tag, bei heißen Temperaturen kann der Verlust sogar bis zu zwei- bis dreimal so hoch sein. Deshalb wird Jugendlichen und Erwachsenen empfohlen am Tag mindestens 2 Liter Wasser zu trinken – im Sommer entsprechend mehr. Das rechtliche Flüssigkeitsdefizit wird durch die Nahrung aufgenommen. Im Übrigen ist es besser häufig und zeitlich verteilt als viel auf einmal zu trinken. Das ermöglicht dem Körper die Menge an Flüssigkeit inklusive Mineralstoffe aufzunehmen und nicht direkt wieder auszuscheiden.

Hitze im Homeoffice

Trinken ist also wichtig und ist dank des, in den meisten Orten in Deutschland, trinkbaren Leitungswassers auch mühelos umzusetzen in den eigenen vier Wänden. Bei Themen wie Verdunkelung und Fenster schließen, sieht das allerdings schon anders aus. Menschen die ihre Wohn- und Schlafräume auch als Arbeitszimmer nutzen, haben hier oft ein Problem. Zum einen heizen sich die Zimmer durch den eigenen Körper und die Elektrogeräte zusätzlich auf und zum anderen führt das Geschlossenhalten von Fenstern und Türen im Sommer schnell zu stickiger, feuchter Luft. In der SmartWG haben wir in den letzten Tagen einiges versucht, um einen kühlen Kopf zu bewahren, sind aber immer wieder an unsere Grenzen gestoßen. Ein Ventilator neben dem Schreibtisch in Verbindung mit dem regelmäßigen Befeuchten der Haut wirkte erst vielversprechend und verschaffte eine spürbare Linderung, führte aber letztlich dazu, dass wir unser Büro in eine Sauna mit fast 100% Luftfeuchtigkeit verwandelten. Unserer Erfahrung nach bleibt Bewohnern in Innenstädten und insbesondere der obersten Etage oft nichts anderes übrig, als mindestens einmal am Tag die Wohnung zu verlassen und einen kühlen und schattigen Ort aufzusuchen. Aber warum ist das so?

Wie im Backofen

Es macht einen großen Unterschied, ob ihr euch im Sommer in der Innenstadt oder im Umland aufhaltet. In den eng bebauten Gegenden im Inneren der Stadt tritt im Sommer häufig der Wärmeinseleffekt auf. Durch dichte Bebauung und großflächige Bodenversiegelungen wird es in Städten chronisch heißer. Baumaterialien wie Stein, Beton und Asphalt heizen sich tagsüber schnell auf und geben die gespeicherte Hitze nachts ab. Was hier oft fehlt ist eine ausreichende Begrünung, beispielsweise durch Bäume. Diese spenden Schatten und sorgen für eine kühlende Transpiration. Beton und Asphalt hingegen speichern die Hitze und schränken die Luftzirkulation ein. Durch die Eigenschaften dieser Materialien und der Tatsache, dass in unbegrünten Gegenden Regenwasser schlecht versickern und verdunsten kann, ist es in Städten laut deutschem Wetterdienst oft bis zu 10°C wärmer als im Umland. Dieses Problem haben die Städte insbesondere in den letzten Jahren zu spüren bekommen. Deshalb wurden unter anderem in Berlin zum Teil ungewöhnlichen Maßnahmen ergriffen, wie etwa die Beregnung der Straßen, um sie und die umliegende Luft zu kühlen. Die einzige langfristige und effiziente Lösung scheint aber mehr denn je der Ausbau der Grünanlagen zu sein. Das zeigt auch die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (Zamg) in Österreich. Dort wird das Stadtklima bereits seit 10 Jahren simuliert. In einem gemeinsamen Projekt mit dem Austrian Institute of Technology (AIT) äußerte sich die Projektbeteiligte Tanja Tötzer: ”Punkto Begrünung zeigt sich, dass vergleichsweise kleine Maßnahmen lokal große Wirkungen haben können.” Einfach verständlich hat zum gleichen Thema zuletzt der Kanal quarks.de auf Instagram einen animierten Beitrag erstellt: „So viel kühler wird es durch Bäume”. Da gerade in großen Städten der Wohnraum oft knapp und teuer ist, kann man sich vielerorts das Errichten großer, neuer Parks aber kaum leisten. Das Begrünen von Innenstädten ist aber dennoch möglich.

Grün ist die Hoffnung – und das Dach

Dächer, insbesondere Flachdächer können vielseitig, ökologisch gewinnbringend genutzt werden, beispielsweise durch Solaranlagen oder durch das Anlegen von Gründächern. Letzteres trägt besonders zur Kühlung des Dachs und der Umgebung bei. In einem Interview mit Wolfgang Dickhaut, Professor für Umweltgerechte Stadt- und Infrastrukturplanung, berichtete dieser gegenüber dem Magazin HafenCity News aus Hamburg schon im Sommer 2014 über die weitreichenden Effekte. Er beschreibt, dass der Wasserabfluss und das Mikroklima verbessert werde. Darüber hinaus bestätigt er die kühlende Wirkung in der Nacht. Wie eine solche Begrünung von Hausdächern gelingen kann, macht die Stadt Wien vor. Dort hilft die Begrünung verschiedener Flächen schon jetzt effektiv an einigen Stellen im Kampf gegen die Hitzeinseln. Grünfassadenmodule helfen effektiv im Kampf gegen Hitzeinseln in der Innenstadt und senken die gefühlte Temperatur in der Straße um bis zu 13°C. Auch das Umweltbundesamt bestätigt mit mehreren Publikationen derartige Auswirkungen und rät zu mehr Grünanlagen. Leider liegt die Begrünung von Dächern und Fassaden in der Regel aber nicht der Hand von Bewohnern, sondern ist Aufgabe der Stadt und Immobilienverwalter. Kurzfristig bleibt allen Hitzegeplagten also oft nichts anderes übrig als sich selbst in den nächstgelegenen Park oder an den See zu begeben. Aber wie kommt man eigentlich am besten da hin?

Was ist der beste Weg zur Abkühlung?

Ist der Entschluss einmal gefasst die Wohnung und auch die aufgeheizte Innenstadt zu verlassen, stellt sich nur noch die Frage wie am besten zum Ziel kommen? In Großstädten sind es oft einige Kilometer bis zum nächsten See, deshalb lohnt es sich zu den Ausflug zu planen. Die Frage nach der Art der Fortbewegung stellt sich natürlich nicht nur im Sommer, aber wenn ihr schon einen Ausflug in Grüne plant, um der Hitze zu entkommen, warum solltet ihr dann nicht gleich smart planen? Wir haben daher verschiedene Verkehrsmittel gegenübergestellt auf einem fiktiven Trip aus Berlin Kreuzberg zum Müggelsee bei Köpenick. Unsere Kriterien sind angelehnt an einen Bericht von Deutschlandfunk Nova aus dem Jahr 2018, aus dem wir auch einige Grundwerte zur Berechnung genutzt haben. Wir betrachten:

  • die Länge des Weges,
  • die Kosten (Verschleißkosten inbegriffen),
  • die Zeit und
  • den Umwelteinfluss.
smart zum See

Einige Aspekte für eine vollumfängliche Betrachtung sind in dieser Übersicht nicht berücksichtigt. Beispielsweise haben wir die Umweltauswirkungen des Reifenabriebs nicht mit einbezogen. Andere Aspekte, die bei der Beurteilung des besten Weges auch eine Rolle spielen könnten, wie etwa die Sicherheit des Verkehrsmittels, oder die Flächenversiegelung durch Straßen und Schienen, betrachten wir in dieser einfach Übersicht nicht. Der Fokus soll auf den dargestellten Faktoren liegen.

Fazit

Um die Hitze im Sommer zu überstehen, solltet ihr euch nicht nur Gedanken darüber machen, wie ihr es in den eigenen vier Wänden am besten aushaltet. Kurzfristig ist die einfachste Lösung oft nach wie vor, heiße Orte zu meiden und kühlere Gegenden aufzusuchen. Die endgültige Entscheidung, für welches Verkehrsmittel ihr euch dabei entscheiden solltet, wird natürlich auch noch andere Faktoren ausschlaggebend beeinflusst, wie etwa das Gepäck oder die Anzahl der Mitreisenden. Unsere Übersicht kann euch aber helfen ein Gefühl dafür zu bekommen, welche Art der Fortbewegung euren Ansprüchen am ehesten genügt, ohne dass ihr euch erst selbst alle Informationen zusammen suchen müsst. Langfristig ist die Hitze-Frage auch eine Klimafrage und zu einem Großteil Aufgabe der Städte. Zu einem gewissen Teil, könnt aber auch ihr beitragen, beispielsweise indem ihr euren Balkon bepflanzt.  Wir hoffen, ihr seid gut durch diese heiße Woche gekommen.


Bleibt cool!
Ben

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.