Aus alt mach was Anderes. Der Trend Upcycling.

Januar 2021. Deutschland befindet sich im Lockdown. Nach einem nervenaufreibenden Jahr 2020 ist die Hoffnung groß dieses Jahr andere Schwerpunkte als die Pandemie zu setzen. Auf absehbare Zeit werden uns die Einschränkungen aber wohl noch begleiten. Genug Zeit also um sich einmal ganz in Ruhe mit der eigenen Wohnung und den eigenen Besitztümern auseinanderzusetzen. Was brauchst du eigentlich wirklich? Und von was willst du dich vielleicht trennen? Bestimmt fällt dir das ein oder andere auf. Bevor du aber nach getaner Inventur alles in den Müll schmeißt, lies dir vorher diesen Beitrag durch! Denn wenn dir, genauso wie uns, zu Hause inzwischen die Decke auf den Kopf fällt, dann probier’ es doch mit einem Upcycling-Projekt.

Was genau ist eigentlich Upcyling?

Upcycling ist in aller Munde. Gemeinsam mit Begriffen wie Re-use, Kreislaufwirtschaft, Wiederverwendung oder Minimalismus kommen immer mehr Aspekte aus dem Themenbereich Nachhaltigkeit in der Mitte der Bevölkerung an. Wie der Name es erahnen lässt, ist der Terminus Upcycling verwandt mit dem Recycling. Es wird jedoch strikt zwischen den Begriffen unterschieden. Zwar geht es in beiden Fällen um Ressourcenschonung, sie verfolgen aber jeweils andere Ansätze. Das klassische Recycling geht mit einer Wiederaufbereitung von Materialien oder einzelnen Bestandteilen einher. Es ist damit eng verbunden mit dem Gedanken der Kreislaufwirtschaft. Ein wesentlicher Vorgang beim Recycling ist es ein Ausgangsprodukt in einzelne Komponenten aufzuspalten, da sich diese leichter verarbeiten lassen. Beispiele sind etwas das Einschmelzen von Glas aus dem Glascontainer oder das Recycling von Einwegpfand, wobei das entstehende Recyclat für die Herstellung neuer Waren genutzt wird. Das klassische Recycling geht jedoch meist mit der Zerstörung des Ursprungszustandes der Waren einher und ist darüber hinaus relativ energieaufwendig. Im Jahr 1994 äußerte sich der Ingenieur Reiner Pilz von der Burgdorfer Pilz GmbH in einer britischen Zeitschrift bezüglich der Praxis beim Baustoffrecycling wie folgt:

“Recycling‘, he said, ‚I call it down-cycling. They smash bricks, they smash everything. What we need is up-cycling where old products are given more value, not less.”

Damit fanden die Begriffe Upcycling und Downcycling erstmalig Erwähnung. Recycling wird demnach mit Downcycling gleichgesetzt, da im Recyclingprozess der Wert der recycelten Waren sinkt. Beim Upcycling dagegen steigt der Wert der Ausgangsware, da sie in der Regel für einen anderen Zweck verwendet wird. Als Ausgangsware dienen zumeist Abfall oder scheinbar unnütze Gegenstände. Populäre Beispiele sind: alte Autoreifen zu Schuhsohlen verarbeiten, kaputte Schuhe in Blumentöpfe verwandeln oder alte Plastikflaschen in Futterspender für Vögel umbauen. Upcycling ist vielseitig und beschreibt die Kernidee Gegenstände auf andere und oft kreative Weise weiterzuverwenden. Damit ist es auch als effektives Mittel gegen Müllvermeidung zu betrachten. Mit dem steigenden gesellschaftlichen Interesse an Nachhaltigkeit, treten auch vermehrt Unternehmen auf den Plan, die mit neuen Upcycling-Konzepten innovative Lösungen anbieten.

Upcycling 2021

An dem Konzept von Upcycling hat sich seit seiner erstmaligen Nennung kaum etwas verändert. Vielmehr wurden die Möglichkeiten und Grenzen rund um das Thema Upcycling vor allem in den letzten Jahren ausgeweitet und definiert. Auf zahllosen Blogs und Ratgeber-Webseiten werden Hintergründe und Anleitungen zum Upcycling präsentiert. Einige Inhalte haben auch mich für diesen Beitrag motiviert. Dazu aber mehr im nächsten Abschnitt. Insbesondere die Modebranche greift das Thema derzeit häufig auf. Ein Artikel auf der Webseite der Modezeitschrift Vogue, vom 23. November 2020, titelt beispielsweise: “Upcycling Is The Biggest Trend In Fashion Right Now”. Es ist zu erwarten, dass Upcycling als Katalysator für Themen wie Müllvermeidung (oder zero waste) und dem bewussten Umgang mit Ressourcen weiter an Bedeutung gewinnt. Einen weiteren Hinweis auf das stetig wachsende Interesse an dem Thema bietet die Entwicklung der Suchanfragen auf Google.

Die mit Abstand meisten Suchanfragen kamen dabei aus Europa mit Deutschland als Spitzenreiter. Auf den Plätzen zwei bis fünf finden sich Österreich, Luxemburg, die Schweiz, und Ungarn wieder. Grund genug auch persönlich einmal in das Thema Upcycling einzutauchen.

Tragen statt getragen werden – Unser Upcycling Versuch

Je mehr wir uns mit dem Thema Upcycling beschäftigt haben, umso mehr hatten wir Lust es einmal selbst auszuprobieren. Blieb nur die Frage: Was eigentlich? Eines war uns klar, wir wollten keine Skulpturen aus Klopapierrollen oder alten Plastikdeckeln herstellen, sondern möglichst etwas praktisches. Außerdem konnten wir aufgrund des Teillockdowns nur Materialien nutzen, die in der Smart WG verfügbar waren. Das stellte sich als gewisse Herausforderung heraus. Doch schließlich fanden wir eine Anleitung, für die keine besonderen Materialien oder Werkzeuge benötigt werden, und die auch noch etwas Praktisches schafft! Das Ausgangsmaterial für unser Projekt war ein altes, weißes T-shirt.
Zu abgetragen, um es noch anzuziehen. Zu kaputt für die Kleidersammlung. Aber genau richtig für unser Vorhaben.

Wenn man genauer hinschaut, erkennt man schnell die Löcher im Stoff. Was macht man aber aus so einem, kaum noch zu rettenden T-shirt? In unserem Fall ein Einkaufsbeutel! Dazu bedürfte das T-shirt noch etwas Bearbeitung.

Der untere Bund mit Samt der Löcher wurde großzügig abgeschnitten. Außerdem haben wir die Ärmel und den Kragen entfernt. Die Form eines Beutels ist jetzt mit etwas Fantasie schon erkennbar.

Als nächsten haben wir etwa zehn Zentimeter lange und anderthalb Zentimeter breite Streifen in das untere Ende des T-shirts geschnitten.

Im nächsten Schritt haben wir jeden Streifen paarweise mit dem jeweils gegenüberliegenden Streifen von der Rückseite verknotet. Damit die Knoten halten, ist es ratsam mindestens zwei normale Doppelknoten festzuziehen.

Nachdem alle Streifen fest verknotet waren, war er auch schon fertig, unser neuer Beutel aus einem alten T-shirt. Beim Tragetest hat sich unsere upgecycelte Tragetasche als erstaunlich dehn- und belastbar herausgestellt. Das ganze hat kaum eine Stunde gedauert. Klar ist unsere DIY-Tasche nicht so schön und nicht nicht so belastbar wie manch eine andere, hochwertige Einkaufstasche, aber das ist es allemal wert, wenn dadurch Ressourcen gerettet werden. Wenn ihr auch ein paar alte T-shirts habt und das gern mal ausprobieren wollt schaut euch gern hier einmal um.

Fazit

Upcycling ist ein sehr vielseitiger und bunter Trend. Ressourcen zu schonen, indem man alten Dingen neues Leben einhaucht oder eine neue Verwendung zuspricht ist eine der simpelsten Maßnahmen, um der Verschwendung entgegenzuwirken. Freilich kann nicht jedes Abfallprodukt neu verwendet werden und nicht alle Upcycling-Ideen sind für jeden sinnvoll, es lohnt sich aber allemal einen Blick in die DIY-Communitys zu werfen und sich von all den Upcycling-Ideen inspirieren zu lassen.

Was haltet ihr von Upcycling? Welche Projekte habt ihr bereits umgesetzt?
Lasst es uns wissen!
Ben

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